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16.06.2022, 09:59 Uhr | R. Berger
Hilfe für unheilbar Kranke und Sterbende: „Ich sehe Dich“
Informationsveranstaltung der Senioren-Union
Um die „Hospiz- und Palliativ-Versorgung im Landkreis Ludwigsburg“ ging es bei einer Informationsveranstaltung der Senioren-Union der CDU am 8. Juni 2022 im Albert-Knapp-Heim, einem Pflegeheim der Stiftung Evangelische Altenheime in Ludwigsburg. In vier fachlichen Impulsreferaten über die bestehenden Palliativ-Konzepte sowie Hospiz-Initiativen wurde ein facettenreicher Überblick über die aktuelle Situation aus verschiedenen Perspektiven vermittelt. In einer Diskussionsrunde gab es die Möglichkeit, spezielle Fragen zu vertiefen sowie Wünsche an Politik und Gesellschaft zu äußern. Der Kreisvorsitzende der Senioren-Union, Hans Dieter Pfohl, machte in seiner Begrüßung darauf aufmerksam, dass schwere Krankheitsfälle und Tod nicht ausschließlich Themen für die ältere Generation seien, sondern dass jeder Mensch in jedem Lebensalter davon berührt werden könne. Es sei wichtig, dass man dann wisse, wo man Hilfe findet. „Damit man nicht allein gelassen ist“ – das ist Motto und Leitbild des Albert-Knapp-Heims in Ludwigsburg, das derzeit 187 Bewohner versorgt und viele Betreuungsangebote bereithält. Bernhard Wandel, Vorstand und Leiter der Einrichtung, freute sich, die interessierten Gäste aus der Senioren-Union begrüßen zu dürfen: „Endlich können wir wieder eine Veranstaltung wagen“, sagte er. 
SU-Vorsitzender Hans Dieter Pfohl eröffnet
Adelheid Bauer, Diakonin und Seelsorgerin, erläuterte die Palliativ-Care-Arbeit, die seit 2014 im Albert-Knapp-Heim nicht nur eingeführt wurde, sondern zu einer Art Heimphilosophie und im Pflegealltag konkret sichtbar und fühlbar geworden ist. „Ich sehe Dich“ ist das Motto des Konzepts, das den Pflegebedürftigen auf Augenhöhe mit ganzheitlichem Blick auf seine körperlichen, psychischen, spirituellen und sozialen Aspekt regelrecht umhüllt. 

Heike Dierbach, Fachbereichsleiterin Soziales, Pflege und Versorgungsangelegenheiten im Landratsamt Ludwigsburg, stellte die Hospiz-Infrastruktur im Landkreis vor. Mit 17 Hospizgruppen habe man eine gute Flächendeckung, sagte Dierbach. „Wir sind auf dem Weg gute Strukturen zu schaffen, wir brauchen aber noch mehr und wir beobachten die Situation.“ Im Klinikum Ludwigsburg gibt es derzeit 13 Plätze für Palliativpatienten, im stationären Hospiz in Bietigheim-Bissingen stehen 12 Plätze zur Verfügung. Kinder würden im Stuttgarter Olgäle versorgt.

Sabine Horn, Hospizreferentin der Ökumenischen Hospiz-Initiative im Landkreis Ludwigsburg, berichtete aus ihrer bewegenden Alltagsarbeit mit Sterbenden und trauernden Angehörigen. Sie erläuterte, dass Hospizpflege nicht von einer Leistungsbezahlung getragen wird, sondern – nach Erfüllung vieler Kriterien – von den Krankenkassen nur eine finanzielle Förderung erhält. Man sei weitestgehend auf ehrenamtlichen Einsatz und Spendengelder angewiesen. Im Jahr 2021 haben beispielsweise 102 Ehrenamtliche im Landkreis Ludwigsburg 163 sterbende Menschen im Erwachsenenalter begleitet und diesen 3702 Stunden als Dienst geschenkt. Hinzu kommen ähnliche Stundenzahlen im Kinderhospizbereich und in der Trauerarbeit.

Dr. Nicole Pakaki, Internistin und Palliativ-Medizinerin, arbeitet im Team der spezialisierten ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV) Kreis Ludwigsburg. Sie zeigte anhand einer Beispiel-Patientin, welche Herausforderungen ihr hochprofessionell aufgestelltes Team meistern muss. Dabei betonte sie immer wieder, wie wichtig die ganzheitliche Betrachtung des Menschen ist. Anspruch auf SAPV haben Patienten mit unheilbarer Krankheit und einem komplexen Symptomgeschehen, das ständiger Kontrolle und Überwachung bedarf. Pakaki verwies auch auf die Bedeutung der Hausärzte in der Palliativversorgung, die stets mit eingebunden sein sollten. In der Diskussion ging es auch um die Haltung zum assistierten Suizid. Bekanntlich steht eine rechtliche Neuregelung der Suizidassistenz durch den Gesetzgeber noch aus. Alle Vortragenden waren sich einig, dass eine assistierte Selbsttötung für sie nicht in Frage komme, sie würden „für das Leben“ stehen. Durch ihre Arbeit möchten sie das Sterben nicht herauszögern, aber auch nicht beschleunigen. Alle Beteiligten wünschen sich eine bessere und verlässlichere Finanzierung ihrer Arbeit so wie eine breitere Öffentlichkeitsarbeit. Weiterhin wünschenswert sei mehr Transparenz und ein höherer Bewusstseinsgrad bei der Bevölkerung für die Arbeit mit Schwerstkranken, Sterbenden und Trauernden.